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Tiny House Schweiz Pressebericht

Gesetzliche Hürden

«Wenn man das Ganze rechtlich korrekt machen möchte, wird es schwierig», erzählt Kevin Rechsteiner in einem seiner Blogs. Bis heute wartet er auf die behördliche Bewilligung für seine «Fahrnisbaute», wie Tiny Houses auf Rädern amtlich korrekt bezeichnet werden. In der Landwirtschaftszone ist kein Tiny House erlaubt. Sind Tiny Houses auf einem Anhänger konstruiert, fallen sie nicht unter das Baurecht, sondern unter das Strassenverkehrsrecht. Zudem können Leute, welche sich an einem Tiny House auf Rädern stören, selbst wenn es auf einem privaten Grundstück steht, bei den Behörden Einspruch erheben. Auch wenn ein Tiny House auf einem Flachdach errichtet werden soll, greift das Baurecht. Bauvorschriften und Genehmigungspflichten sind noch nicht für die Gesellschaftsgruppe «Tiny Housers» ausgelegt.

«Das Thema ist für die meisten Baubehörden neu. Sie sind mit Pionierinnen und Pionieren konfrontiert. Es bestehen Ängste, dass die Tiny Housers hauptsächlich aus Sozialfällen und Randständigen bestehen. Der neu gegründete Verein Kleinwohnformen will diese Befürchtungen dämpfen und zeigen, dass auch hierzulande ein wachsendes Bedürfnis besteht, den eigenen Lebensstil zu reduzieren und konsequent nachhaltig zu leben. Es geht um eine neue Lebensphilosophie », so Tanja Schindler. Die Baubiologin, Initiantin und Konzeptentwicklerin des Projektes «Ökominihaus» lebt seit sieben Jahren auf 35 m2. Mit dem Projekt erforscht sie Möglichkeiten zur Umsetzung von zukunftsfähigen, sozial und kulturell nachhaltigen, bezahlbaren und gleichzeitig wohngesunden Lebensräumen.

Dazu gehört auch die angehende Sekundarlehrerin Fiona Bayer. Sie baut sich ein Tiny House auf Rädern von Grund auf selber und bloggt darüber. Sie zählt auf innovative Gemeinden und Nachbarn, welche ein Tiny House auf ihrem privaten Grundstück willkommen heissen. Fiona Bayer und Kevin Rechsteiner sind optimistisch und empfehlen, die entsprechende Gemeinde von Anfang an mit einzubeziehen, Besichtigungsgelegenheiten anzubieten und Verständnis für Kritik und Skepsis der Nachbarschaft aufzubringen.

Flexible Form der Verdichtung

«In der Schweiz stehen Häuser teilweise auf sehr grossen Grundstücken, auf denen Klein- oder Winzighäuser stehen könnten, was der Verdichtung zugute käme», so Tanja Schindler. Ihr Ökominihaus steht auf Sumpfgebiet. Es käme sehr teuer, dort ein normales Haus zu bauen. Ein Klein- oder Winzighaus sei aber kein Problem. «Wir streben mit dem Projekt langfristige Zwischennutzungen von freiem Bauland an. Die Ökominihäuser stehen zwar nicht auf Rädern, sind aber transportabel. Wir suchen nach Flächen, die von Gemeinden für zukünftige öffentliche Bauten freigehalten werden. Ökominihäuser, auch Siedlungen, könnten nach Ablauf der Pachtfrist einfach an neue Standorte transportiert werden». Dieses Konzept mag übliche Wohnformen herausfordern. Doch bestätigen die jüngsten Entwicklungen rund um Tiny Houses, dass diese Form der flexiblen Verdichtung durchaus praktikabel wäre – für diejenigen, die sich freiwillig darauf einlassen wollen.

Die Zukunft der Tiny-House-Bewegung

Auf Youtube erscheinen gerade die ersten Videos von Tiny Housers, welche auch von den Nachteilen ihrer Wohnform erzählen. Wie etwa der Tatsache, dass ein Winzighaus zwar schnell geputzt sei, sich aber noch schneller verschmutzen würde. Von der Tatsache, dass sich Gerüche, vom Kochen oder von Haustieren, penetrant verbreiten und halten. Oder dass einfache Tätigkeiten wie das Bettenmachen einiges an akrobatischen Verrenkungen abverlangen Und dass die Grenzen für geselliges Beisammensein zu Tisch rasch gesprengt sind.

Zurzeit gibt es in der Schweiz noch wenige Langzeit- Erfahrungsberichte über das Wohnen im Tiny House. Es ist nicht abzusehen, dass sich dieser Wohntrend in der Schweiz in nächster Zeit rasant ausbreiten wird. Bestehende Möglichkeiten und Wohnformen werden aber von Umweltbewussten und Experimentierfreudigen zu mehr Vielfalt weiterentwickelt und einige werden ihre Wohnfläche radikal verkleinern. Das Tiny House lässt auf kleinem Raum viel Spielraum zum Ein-, Um- oder Ausstieg zu. Der Wunsch nach innovativen und suffizienten Wohnformen wird am Gesetz rütteln. Wohnen in Designerperlen vor spektakulärer Naturkulisse, wie viele Tiny Houses auf Blogs in den USA in Szene gesetzt werden, wird es in der Schweiz kaum oder selten geben. Weil selbst für die Kleinen zu wenig Platz vorhanden ist.

Basel Express. Kevin Bortoli 29.01.19

 

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