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Problem Wohnen Tiny House

Problematisches Wohnen im Tiny House

Mein kleines Haus auf Rädern steht auf dem Parkplatz vom Millerntor, und das beschreibt die Problematik dieser Wohnform ganz gut. Tiny Houses müssen, sofern sie fahrbar sind, als Ladung angemeldet werden, oder sie gelten als Wohnwagen. Sie dürfen nicht höher als vier Meter und nicht breiter als 2,55 Meter sein, vor allem dürfen sie maximal 3500 Kilo wiegen. Wohnwagen dürfen höchstens zwei Wochen am Stück unbewegt im öffentlichen Raum stehen – dort, wo es nicht verboten ist. Übernachten darf man allerdings nur eine Nacht und dabei auch keine Möbel vor das Haus stellen. Wem ein täglicher Umzug zu stressig ist, der kann den Wagen mit Genehmigung auf ein Privatgelände wie das Millerntor stellen, darf aber maximal vier Monate im Jahr dort wohnen – oder muss seinen Erstwohnsitz dort anmelden.

Alternativ kann man das Tiny House vom Hänger heben und dauerhaft abstellen, dann gilt aber: Haus ist Haus. Und ein Haus muss sich an die Bauverordnung halten, muss also an Wasser und Abwasser angeschlossen sein, freie Rettungswege haben und mindestens einen Meter breite Treppen; um nur einige der Vorgaben zu nennen. Einziger Ausweg: offiziell nicht dauerhaft dort wohnen. Aber es soll ja um einen erschwinglichen Wohnsitz

gehen und nicht um ein Domizil für Wochenendminimalismus, von Montag bis Freitag aber bitte wieder drei Zimmer, Küche, Bad.

2016 zogen fast 20.000 Menschen nach Hamburg, laut Prognosen könnte Hamburg schon 2035 knapp 1,9 Millionen Bewohner zählen. Da wird die Bescheidenheit irgendwann zur Notwendigkeit, man wird kaum noch zu zweit auf 90 Quadratmetern wohnen können. Sind Minihäuser also wirklich eine Option, um dem ungebrochenen Zuzug nach Hamburg gerecht zu werden und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, gar bezahlbares Eigentum?

Stadtplaner André Poitiers baut an Großprojekten wie der Neuen Mitte in Altona mit. Er fragt sich immer wieder, wie das Hamburg der Zukunft seinen Bürgern bezahlbaren Wohnraum ermöglichen kann.

Im besten Fall sollte die Größe des Wohnraums mit der Anzahl an Menschen korrespondieren, die sie bewohnen, so wie es in der Genossenschaft häufig der Fall ist, erklärt Poitiers. Stattdessen fänden sich bei Airbnb riesige Wohnungen, in denen gleich mehrere Zimmer am Wochenende vermietet würden, weil sie nicht gebraucht würden. „Aber das 35-Quadratmeter-Wohnzimmer sollte eben nicht bei Airbnb vermietet werden, sondern eine Familie in diesen Räumen wohnen, die Platz braucht.“

Statt für die Ewigkeit zu bauen – wieso nicht auf- und abbaubare Wohnmodule nutzen?

Poitiers ist dafür, für kurz- oder längerfristiges Wohnen modulare Systeme zu nutzen. Da, wo auf Jahre ohnehin keine anderen Bauprojekte verwirklicht werden, zum Beispiel im Hafen. Der soll umstrukturiert werden, bis dahin stehen viele Flächen leer. Gäbe es Module, die zu geringen Kosten seriell gefertigt, abtransportiert und an anderer Stelle problemlos wieder aufgebaut werden könnten, hätte man die Möglichkeit, neuen Wohnraum zu schaffen, aber ohne diese Ewigkeit im Nacken, die ein Hausbau in Deutschland ja immer suggeriert. „Stellen Sie sich so ein Haus vor wie einen Ford Transit. Erst ist da nur der Bus, dann baut man ein Bett, Schränke, Küche und ein Klappdach ein, je nach Bedarf“, sagt Poitiers. Es gehe darum, dort Urbanität zu schaffen, wo langjährige Planungsverfahren die Stadt ausbremsen.

„Aber es bringt eben nichts, ein paar dieser Häuser besonders exklusiv in der Stadt zu platzieren, wie ein Manifest des politischen Protests“, so der Stadtplaner. Größer denken ist seine Devise. Was wohl die Behörde für Stadtentwicklung dazu sagt?

Man beobachte das. Aber derzeit gebe es kein Bestreben, bestehende Regelungen umzuschreiben. Man erinnert mich auch nochmals ans geltende Baurecht.

Letztlich geht es um effiziente Raumnutzung. Dieses Versprechen kann ein einstöckiges Tiny House natürlich für den Einzelnen einlösen, für die Stadt könnte es schwierig werden.

Es wird spät in meinem Tiny House, die Dämmerung leuchtet alles blau aus. Tochter und Freund sind nach Hause gefahren. Im Etagenbett wollten wir dann doch nicht zu dritt schlafen. Als ich dort liege, fühle ich mich wie in der Jugendherberge. Am nächsten Morgen schaue ich aus dem Fenster auf die tanzenden Türme. Ich fühle mich klein, und das ist schön. Im Kopf richte ich das Tiny House nach meinen Ideen ein: Okay, ein Anbau für das Kind wäre schon nötig, ich möchte die Winterabende nicht flüsternd im gleichen Raum verbringen müssen. In den Urlaub würden wir das Haus mitnehmen – und nie wieder packen. Ich schließe ab und fahre zu unserer neuen Wohnung, die wir dann doch noch gefunden haben, viereinhalb Zimmer mit Garten.

Ich weiß: Ich bin das Problem. Aber vielleicht kann ich ja irgendwann Teil der Lösung sein.

 Zeit.de gefunden 11.04.19 Kevin Bortoli

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