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Center Parc Eröffnung Leutkirch

Leutkirch im Allgäu / Rudi Schönfeld 30.08.2017 In rasantem Tempo verwandelt sich ein ehemaliges Militärgelände bei Leutkirch in einen der größten Ferienparks Deutschlands. Center Parcs eröffnet Ende 2018.

So geht Rüstungskonversion: Ein Munitionsdepot, ab 1939 von den Nazis ein paar Kilometer südlich von Leutkirch im Urlauer Tann gebaut, im Kalten Krieg von der Bundeswehr betrieben und 2007 aufgelöst, wird nur noch friedlichen Zwecken dienen und vielen Menschen Erholung und Vergnügen bieten. Mehr als 200 Bunker, die im 184 Hektar großen Fichtenwald verborgen waren, sind abgebrochen und zu Baumaterial recycelt worden, das vor Ort verarbeitet wird. Unablässig fahren Lastwagen mit Kies und Sand in den Wald. Dass sie eine der zurzeit größten Baustellen im süddeutschen Raum ansteuern, lässt sich nur an den Baukränen erahnen, die über die Wipfel ragen.

Center Parcs investiert in den Ferienpark, der Ende 2018 die ersten Gäste aufnehmen soll, 350 Millionen Euro. 1000 Ferienhäuser im Landhausstil werden gebaut. In einem mehr als 20.000 Quadratmeter großen Zentralgebäude, das derzeit aus dem Boden wächst, werden Restaurants, Supermarkt und Vergnügungseinrichtungen entstehen. Highlight ist eine tropische Badelandschaft namens Aqua Mundo mit Wellenbad, Schnorchelbecken, Wasserspielplatz, Rutschen und Wildwasserbahn – 6600 Quadratmeter groß und ganzjährig geöffnet.

„Center Parcs – Park Allgäu“, so die offizielle Bezeichnung, soll ein touristischer Leuchtturm werden, der alles, was bisher an Fremdenverkehr läuft in der Region, in den Schatten stellen wird.

Es gehört zum Prinzip von Center Parcs, seine Ferienanlagen so gut wie möglich in die Landschaft einzubetten. Im Urlauer Tann sind zwar durch den Abriss der Bunker und durch die von den Bauvorschriften geforderten Sicherheitsabstände der Neubauten vom Baumbewuchs große Schneisen entstanden, doch legt der Chef von Center Parcs Deutschland, Frank Daemen, Wert auf die Feststellung, dass schon kurz nach Beendigung der Rodungen mehr als 50 000 neue Bäume und Sträucher angepflanzt worden sind. Außerdem seien alle Forderungen des Natur- und Artenschutzes erfüllt worden. Auch zwei Bunker blieben als artgerechtes Heim für Fledermäuse.

Aufträge für 40 regionale Firmen

Leutkirchs Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle, der dem Ferienkonzern den Urlauer Tann als künftigen Ferienpark schmackhaft gemacht hatte, spricht schon heute von einer „unglaublichen Wertschöpfung“, die für die Region generiert werde. Eigentlich hatte er erwartet, dass einheimische Firmen im Park mehr im künftigen Reparatur- und Wartungsbereich zum Einsatz kommen würden als schon in der Bauphase, doch ist er vom Gegenteil überrascht worden: Die Holzhäuser werden zwar in Belgien und Frankreich vorproduziert, doch stammen die Holzfaserplatten für die Wände großteils aus Leutkircher Produktion oder aus der näheren Umgebung. Die Bodenplatten werden von einer Leutkircher Firma gegossen, die Dächer stammen aus Neu-Ulm und werden von Zimmererfirmen aus Bad Wurzach und Weingarten montiert, die Bäder kommen bereits fertig als Kabinen aus Ellwangen (Ostalbkreis). Auch die Hoch- und Tiefbauer des  Zentralgebäudes Market Dome sowie der gesamten Infrastruktur des Parks nebst Wärme, Wasser, Strom und Gas, stammen aus der Region. Insgesamt haben 40 regionale Firmen Aufträge bei Center Parcs. Zuletzt, heißt es beim Unternehmen, waren täglich 200 Bauarbeiter auf dem Gelände. Wenn das Errichten der Häuser anlaufen wird, werden es in der Spitze mehr als 1000 sein.

Nicht nur in Leutkirch harrt man gespannt der Eröffnung. Mit 5000 Betten entsteht ein Dorf, größer als alle Leutkircher Teilorte. Center Parcs rechnet mit 350.000 Gästen jährlich und bei einem Aufenthalt von durchschnittlich drei bis vier Tagen mit einer Million Übernachtungen. Neben Familien aus den Ballungsräumen Stuttgart, München und Zürich rechnen die Touristiker auch mit vielen Tagesbesuchern aus der  Region ganzjährig für die Badelandschaften. Außerdem macht Geschäftsführer Daemen auch den Beherbergungsbetrieben außerhalb des Parks Mut. Aus Erfahrung wisse man, dass die Gäste der Center Parcs Ferienanlagen in Deutschland, Frankreich und den Beneluxstaaten häufig die Region nochmals besuchen und – wenn sie ohne Kinder reisen – dann auch andere Übernachtungsangebote nutzen.

Dementsprechend gibt es – zum Beispiel in Isny – bereits öffentliche Aufrufe an die Hoteliers, ihre Bettenkapazitäten auszubauen. In Bad Wurzach will man unter anderem mit seinen Mooranwendungen punkten, und Altusried auf der bayerischen Seite macht mit seiner Freilichtbühne Werbung und hat sogar schon eine Bushaltestelle „Center Parcs“ eingerichtet. Auch ein alter Bahndamm soll wiederbelebt werden: Auf der vor Jahren stillgelegten Bahnlinie Leutkirch–Isny soll ein Radweg entstehen, der vom neuen Ferienpark direkt in die Stadtmitte von Leutkirch führt.

Nummer sechs in Deutschland

Center Parcs Europe ist eine Tochterfirma der französisch-niederländischen Groupe Pierre & Vacances-Center Parcs, nach eigenen Angaben Europas größter Anbieter von Ferienwohnungen. Center Parcs Europe betreibt 25 Parks in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. 2015/16 hat die 1967 gegründete Gruppe einen Umsatz von 1,42 Milliarden Euro erzielt und acht Millionen europäische Gäste empfangen. In  Deutschland gibt es bisher fünf Center Parcs: Bispinger Heide, Nordseeküste, Bostalsee, Hochsauerland und Eifel. Nach dem Park Allgäu sind im Umland von Berlin, in Ostbayern sowie in Thüringen und an der Ostsee weitere Parks geplant. rusch

Swp.de. Kevin Bortoli 07.03.2019

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